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26. März 2012

Bodoni im Badezimmer

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Eingetragen von: Erneste Appell

 

Die Klassizistischen Antiqua sind eine Schriftenfamilie benannt nach ihrer Entstehungszeit. Zumindest in Deutschland, in England werden sie - zurückgehend auf den französischen Typografen Firmin Didot - Didone, in Frankreich Didones und in Holland Didonen genannt. In Italien allerdings hat es Giambattista Bodoni um 1760 mit der nach ihm benannten Antiqua-Schrift Bodoni geschafft, dass gleich die gesamte Sprachfamilie als Bodoniani bezeichnet wird. Viel liesse sich hier erzählen über die Besonderheiten der vor allem bei Kupfer- und Stahlstichen verwendeten Schrift, über ihre klaren Formen und die dünnen Serifen und Haarstriche. Die entsprechende Recherche und eine detaillierte Formenanalyse soll an dieser Stelle jedoch jedem selbst überlassen werden. Danach dürfte dann auch ersichtlich werden, wieso Robin Levien seine für Sottini entworfene Keramik-Kollektion Bodoni nannte.

Sottini Bodoni

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22. März 2012

Oh!

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Eingetragen von: Erneste Appell

 

Mit dem Ausruf des Erstaunens 'Oh' benennt der Designer Simone Micheli seine für SIMAS entworfene Kollektion von Sanitärobjekten, die er darüber hinaus als 'demokratisch, intelligent und ergonomisch' bezeichnet - was auch immer das bedeuten mag. Doch in der Tat löst diese leichtes Erstaunen aus, erinnert doch vor allem die bodenständige Toilette in geschlossenem Zustand vielmehr an eine Box zum Verstauen von Gegenständen als an ein herkömmliches WC. In exakt gleichem Format erscheinen WC und Bidet als abstrahierte Kuben mit abgerundeten Ecken, die im leicht stehenden Format der bodenständigen Variante stärker in sich ruhen und zu überzeugen vermögen als in der wandhängigen Variante.

 

SIMAS Oh!

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24. Februar 2012

Objekt der Woche: Roca Frontalis

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Eingetragen von: Erneste Appell

 

Es mag Architekten geben, die in ihrem Schaffen konstanter sind, doch zumindest beim Museo Nacional de Arte Romano in Mérida (siehe hier) ist ihm ein wahres Meisterwerk in Backstein gelungen. Die Rede ist von Rafael Moneo, einem spanischen Architekten und Pritzker-Preisträger, der jüngst mit einem nicht realisierten Entwurf für das Zürcher Kongresshaus von sich Reden machte.

Dass sich auch Moneo in guter Altherren-Architekten-Tradition an Gebrauchsgegenständen abarbeitet, zeigt sich in der Serie Frontalis, die er gemeinsam mit seiner Gattin Belén Moneo für Roca entwarf. Die organisch-gekurvten Formen sollen dabei den natürlichen Rythmus und Fluss des Wassers nachahmen. Dies selbst ist alles andere als neu und wie beim Waschbecken zu sehen ist, auch nicht durchwegs gelungen (siehe unten). Doch vor allem die Modularität des Ganzen, die das Zusamenstellen individueller Kombinationen an der Wand erlaubt, überzeugt. Gleiches gilt vor allem für die kleineren Stücke der Kollektion: Kleiderhaken, auskragende Ablageflächen, WC-Rollen-Halterung und Handtuchstange.

 

 

Roca Frontalis

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8. Februar 2012

Objekt der Woche: Porcher LXP Toilets

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Eingetragen von: Erneste Appell

 

Die Toilette ist im Bad meist das am wenigstens sorgsam gestaltete Objekt. Egal ob rund, oval oder eckig, ob wandhängig oder auf dem Boden stehend: Meist ist eine einfache Grundform zugleich Ausgangspunkt und Ende des Gestaltungsprozesses. Natürlich sind hierbei die ästethischen Prinzipien des Minimalismus am Werk, doch erstaunt deren Dominanz bezüglich Toiletten, wohingegen bei Waschbecken oder Badewannen vermehrt freie Formen und ein hoher Grad an Detaillierung zu beobachten sind.

Die Kollektion LXP Toilets von Porcher orientiert sich zwar auch am 'herkömmlichen WC', doch gibt es hier viele ungewöhnliche Details: Der zum Boden hin leicht gebogene Abschluss, die rückwärtige Biegung unterhalb des Spülkastens, die dezente Verbreiterung des Deckels, der nicht minimalistisch versteckt oder übertrieben inszeniert wird, sondern als gleichberechtigter Teil des Ganzen prägnant und gleichzeitig zurückhaltend ausformuliert wird. Man sieht: Eine Toilette ist eben doch nicht ein Toilette und fertig. Mehr davon!

Porcher LXP Toilets

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20. Januar 2012

Zurück in die Zukunft

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Eingetragen von: Erneste Appell

 

Nach dem technologischen Schub des Zweiten Weltkriegs erhielten heute alltägliche Apparate und Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler, Waschmaschinen, Toaster, Radio und Fernseher Einzug in die Wohnungen der Massen. Es dauerte nicht lang und der wirtschaftliche Boom gepaart mit einem unbändigen Fortschrittsglauben führte zu frei geformten Objekten aus Kunststoff in schrillen Farben. Die erste Mondlandung stand unmittelbar bevor, das Space Age war angebrochen.

Nach 9/11, inmitten der Weltwirtschaftskrise und angesichts aufkommender Schwellenländer und des Arabischen Frühlings ist dieser Zukunftsglaube längst gebrochen und mit nostalgischem Gemüt stellen sich die jungen Leute heutzutage altes Design in die Wohnung oder kaufen neues Design im Retro-Look. Hierzu passt das WC Made von NIC Design perfekt. Farblich im neuen Jahrtausend angekommen, gibt sich die gute Schüssel kühl und in schwarzweiss, trotzdem ist sie eine klare Hommage an die goldenen 1960er-Jahre des stromlinienförmigen Designs. Mit Blobs hatte das damals noch nicht viel zu tun..

 

NIC > PRODUCTS > WC BIDET > MADE

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2. November 2011

Hybride WC-Schüssel

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Eingetragen von: Erneste Appell

Zugegeben, eine derart inszenierte Kombination zweier Materialien ist ungewöhnlich und wohl kaum jedermanns Sache. Doch wer experimentell veranlagt ist, hölzerne Sitzflächen und hochwertige Verarbeitung schätzt, wird der diagonal toilet von flora style kaum widerstehen können. Das dunkle, glänzende Holz kontrastiert mit dem matten Weiss und bildet einen spannungsvollen Gegensatz, wobei das Objekt trotzdem nicht optisch zerfällt. Gewagt und gelungen!

flora style fusion > diagonal toilet

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1. Oktober 2011

Einleuchtend

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Eingetragen von: Erneste Appell

Lucid ist Englisch und heisst übersetzt hell, klar oder (ein)leuchtend. Die gleichnamige Kollektion aus dem Hause Fowler umfasst denn auch äusserst klare und gradlinige Objekte. Die Kuben, von denen hier offensichtlich ausgegangen wurde, werden jedoch durch leichte Neigungen und dynamische Rundungen verformt und erzeugen so spannende und maskuline Formen. Wuchtig und gross sind die Stücke, mit dicken Rändern bis hin zum Toilettendeckel.

Fowler > our collection > lucid

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15. August 2011

TECHNO C3

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Eingetragen von: Erneste Appell

Und nun die Antithese zur gestrigen Toilette: Der Name der Kollektion, TECHNO C3, sagt alles - hier ist ein expressiv und modern gesinnter Gestalter am Werk. Er heisst Carlos Aguiar und seine Toilette sucht den klaren, dynamisch-energetischen Ausdruck. Mit Erfolg!

CIFIAL > PRODUCTS > SANITARY WARE > SERIES > TECHNO C3

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14. August 2011

Serenada

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Eingetragen von: Erneste Appell

.. so nennt sich die Toilette aus dem Hause CHEVIOT und bezieht sich damit auf das heitere, abendliche Ständchen der Wiener Klassik, ganz im Gegensatz zur Aubade. Konkret hat dies wohl wenig Bedeutung, jedoch leuchtet auf abstrakter Ebene ein, dass der Hersteller die klassische Gestaltung seines Produkts mit einem klassischen und wohlklingenden Namen versehen wollte. Und dem Wohlklang des Namens entsprechend handelt es sich auch um ein wohlgeformtes Objekt: Leichte horizontale Gliederungsbänder, ein nach unten hin verbreiterter Sockel sowie ein an ein Säulenkapitell erinnernder Abschluss des Spülkastens sind die Hautbestandteile des harmonischen Ganzen. Die schlechte Kunst im Hintergrund sowie das lieblose Grün und die doch etwas bäuerlichen Kacheln auf dem Bild, sollten hierüber nicht hinwegtäuschen!

CHEVIOT Serenada

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4. August 2011

Objekt(e) der Woche: Ceramica GSG Glass System

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Eingetragen von: Erneste Appell

Für gewöhnlich mag man das leicht grünliche Glas nicht mehr sehen - zu viele schlechte Innenarchitekten haben hiermit Ladeninterieurs verunstaltet und eine Vielzahl lieblos gestalteter Bürobauten bedient sich dieses Materials.  Wenn man nun das Glass System von Ceramica GSG betrachtet, löst sich diese Materialaversion jedoch auf. Als Sinnbild für Transparenz und Leichtigkeit tritt Glas hier in Erscheinung - ganz so wie es Bruno Taut und andere Vertreter der gläsernen Moderne propagierten. Verstärkt wird dieser Eindruck der Leichtigkeit durch das Herstellen von Kontrast: Kräftige kubische Keramikkörper dienen als Halterung der dazwischen schwebenden Glaskörper, lediglich bei der Toilette wurde (zum Glück) darauf verzichtet, die Kernfunktion transparent zu gestalten und so wurden hier Toilettensitz und -deckel in Glas ausgeführt. Dies natürlich auf Kosten der formalen Idee von Halterung und Gehaltenem, jedoch tut ein massiver weisser Körper dieser Ode an die Leichtigkeit durchaus gut.

Ceramica GSG glass

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